Ein Traum, ein langer Weg und ein Zieleinlauf, den ich nie vergessen werde.

Der lange Weg zum Start

Mein erster Marathon sollte 2025 der Frankfurt Marathon werden. Doch zunächst kam alles anders als geplant: Eine Verletzung an der Achillessehne machte mir einen Strich durch die Rechnung. Bereits im Februar 2025 hatte ich gemeinsam mit einem professionellen Trainer, der selbst Ultramarathons läuft, mit der Vorbereitung begonnen und fleißig trainiert. Doch die Verletzung zwang mich zunächst zum Aufgeben. Nachdem sich meine Achillessehne wieder erholt hatte, nahm ich das Training erneut auf – mit einem klaren Ziel vor Augen: Ich wollte meinen ersten Marathon laufen!

Die Vorfreude steigt

Irgendwann war es endlich so weit. Gemeinsam mit Wolfgang und Sandra machte ich mich auf den Weg nach Frankfurt, um meine Startunterlagen abzuholen. Natürlich durften die obligatorischen Erinnerungsfotos nicht fehlen: vor der Wand mit den Namen der Teilnehmer, vor der großen Zahl 42,195 und mit meiner Startnummer in der Hand. Jetzt wurde es langsam ernst!

Ein Blick auf die Wettervorhersage sorgte allerdings für weniger Begeisterung: Für den Sonntag war Regen angekündigt. Also erkundigte ich mich bei den ebenfalls startenden Möwathlonis, welche Laufkleidung sie empfehlen würden. Meine Entscheidung fiel auf Langarmshirt und lange Laufhose. Schließlich bin ich nicht mehr der Jüngste und schwitze lieber, als dass ich friere!

Der große Tag ist da

Am Sonntagmorgen ging es als Gruppe mit dem Schienenersatzbus nach Frankfurt. Schon bei der Ankunft war ich überwältigt: Tausende Sportlerinnen und Sportler in den Hallen, überall Bewegung, Vorfreude und diese ganz besondere Atmosphäre. Und mittendrin war ich – zum ersten Mal als Marathonläufer!

Gleich am Eingang gab es ein Erlebnis, das mich zum Schmunzeln brachte. Dort standen Helfer mit Schildern, auf einem davon war zu lesen: „Elite, Kai, 1“. Das musste ich natürlich festhalten! Kurzerhand ging ich zum Schildträger und bat um ein Foto. Endlich wurde meine sportliche Leistung angemessen gewürdigt – zumindest für diesen einen Moment fühlte ich mich wie ein echter Elite-Läufer!

Weniger erfreulich war das Wetter: Zum Start regnete es leicht. Martin und ich blieben deshalb zunächst im Gebäude. Schließlich hatten wir noch rund 30 Minuten Zeit, denn unser Startblock war der letzte. Doch irgendwann wurde ich nervös. Also machten wir uns auf den Weg zum Start – und erwischten gerade noch den Moment, in dem sich unser Startblock nach vorne bewegte.

Das wäre ja was geworden, wenn die ohne uns losgelaufen wären! Schnell über die Absperrung und hinein in die Menschenmenge. Geschafft! Jetzt gab es kein Zurück mehr.

Die ersten Kilometer – alles nach Plan

Dann fiel endlich der Startschuss. Gemeinsam mit meinem Trainer hatte ich eine Strategie für den Lauf ausgearbeitet, an die ich mich unbedingt halten wollte. Als sich das große Läuferfeld nach und nach auseinanderzog, konnte ich meinen geplanten Rhythmus gut finden und die Strategie umsetzen.

Der Regen störte mich beim Laufen erstaunlich wenig. Ein Fehler bei meiner Kleidung machte mir allerdings zu schaffen: Ich hatte meinen Regenüberzug zu spät ausgezogen und war darunter bereits komplett nassgeschwitzt. So musste ich den Lauf fortsetzen. Eine Erfahrung, aus der ich gelernt habe: Beim nächsten Mal würde ich lieber eine Laufweste tragen.

Entschädigt wurde ich durch die Zuschauer entlang der Strecke. Überall wurde geklatscht, gerufen und angefeuert. Diese Unterstützung war unglaublich motivierend! Trotzdem musste ich mich immer wieder bremsen. Die Stimmung riss einen förmlich mit, aber ich wusste: Ein Marathon wird nicht auf den ersten Kilometern entschieden. Ich wollte meine Kräfte gut einteilen und mich nicht von der Begeisterung zu einem zu hohen Tempo verleiten lassen.

Bis Kilometer 30 lief alles nach Plan. Doch dann kam der Moment, vor dem vermutlich jeder Marathonläufer Respekt hat.

Wenn der Körper nicht mehr will

Ab Kilometer 30 merkte ich deutlich, dass meine Kräfte nachließen. Die Energie wurde weniger, die Beine schwerer und plötzlich war nichts mehr so selbstverständlich wie zuvor. Zeitweise musste ich gehen, weil ich einfach nicht mehr die nötige Kraft zum Laufen hatte. Mit diesem Leistungseinbruch hatte ich in dieser Form nicht gerechnet.

Es gab zwei Momente, in denen ich ernsthaft keine Lust mehr hatte.

Der erste kam in Nied. Statt direkt in Richtung Innenstadt zu laufen, mussten wir noch eine Schleife absolvieren. In diesem Augenblick fragte ich mich schon, warum die Strecke ausgerechnet jetzt noch länger werden musste.

Der zweite Tiefpunkt folgte später, ungefähr bei Kilometer 37 – zumindest fühlte es sich für mich wie eine Ewigkeit an. Vor mir tauchte die Messehalle auf. Das Ziel schien greifbar nahe. Endlich, dachte ich, gleich ist es geschafft!

Pustekuchen!

Statt ins Ziel zu laufen, ging es rechts ab – weiter in Richtung Alte Oper. In diesem Moment war ich mental am Ende. Ich wollte einfach nur noch aufhören. Die Vorstellung, jetzt noch weitere Kilometer laufen zu müssen, war kaum zu ertragen.

Doch dann sah ich andere Teilnehmer mit ihren Medaillen. Sie hatten es geschafft! Dieser Anblick gab mir einen neuen Schub. Irgendwo tief in mir fand ich tatsächlich noch ein paar Energiereserven. Ich mobilisierte alles, was noch da war, und kämpfte mich weiter.

Diese letzten Kilometer waren für mich die schwierigsten des gesamten Marathons. Beim letzten Verpflegungspunkt hielt ich nur kurz an, um von einer Bekannten ein Getränk entgegenzunehmen. Keine langen Pausen mehr, keine unnötigen Stopps. Jetzt wollte ich nur noch eines: ins Ziel!

Und dann nahm ich die letzten zwei Kilometer in Angriff.

Der Zieleinlauf – ein Moment für die Ewigkeit

Was dann passierte, lässt sich kaum in Worte fassen.

Nach all den Monaten der Vorbereitung, der Verletzung, den Trainingskilometern, den Zweifeln und den Schmerzen lief ich endlich in die Frankfurter Festhalle ein. Der rote Teppich, die Musik, die jubelnden Menschen und diese unglaubliche Stimmung – plötzlich war alles zu viel.

Mir liefen die Tränen über das Gesicht. Tränen der Erleichterung, der Freude und des Stolzes. Ich hatte es tatsächlich geschafft!

Ich bin Marathonläufer.

Dieser Moment gehörte ganz allein mir. Niemand konnte mir dieses Gefühl nehmen. All die Anstrengungen, die schwierigen Kilometer und die Augenblicke, in denen ich am liebsten aufgegeben hätte, waren plötzlich vergessen. Übrig blieb nur dieses überwältigende Glücksgefühl.

Noch immer werden meine Augen feucht, wenn ich an diesen Zieleinlauf zurückdenke. Es war einer dieser seltenen Momente im Leben, die man für immer im Herzen trägt.

Wahnsinn! Was für ein Erlebnis!

Die Zeit ist nicht alles

Meine Zielzeit war an diesem Tag zweitrangig. Mein wichtigstes Ziel lautete schließlich: ankommen! Und das hatte ich geschafft.

Dass ich am Ende nur neun Minuten über der Fünf-Stunden-Marke blieb, war für mich noch das Sahnehäubchen. Nach diesem kräftezehrenden Lauf war ich einfach nur glücklich und stolz, die 42,195 Kilometer bewältigt zu haben.

Mein erster Marathon hat mir gezeigt, wie viel in einem steckt, wenn man sich ein Ziel setzt, konsequent darauf hinarbeitet und auch in schwierigen Momenten nicht sofort aufgibt. Natürlich läuft nicht immer alles nach Plan. Verletzungen, Rückschläge und Zweifel gehören dazu. Aber genau deshalb fühlt sich das Erreichen des Ziels umso besser an.

Nach dem Marathon ist vor dem Marathon

Eines steht für mich fest: Das war nicht mein letzter Marathon!

Die Anmeldung für den Frankfurt Marathon 2027 ist bereits erfolgt. Diesmal habe ich ein neues Ziel vor Augen: Ich möchte die magische Grenze von fünf Stunden knacken.

Ich weiß jetzt, was mich erwartet. Ich weiß, wie sich Kilometer 30 anfühlen können, wie schwer die letzten Kilometer werden und wie großartig es ist, schließlich durch das Ziel zu laufen. Diese Erfahrung nehme ich mit in die nächste Vorbereitung.

Und vielleicht kann ich mit meinem Bericht auch den einen oder anderen dazu motivieren, selbst einmal einen Marathon in Angriff zu nehmen.

Man muss kein Profi sein. Man muss nicht von Anfang an schnell laufen. Und man muss auch nicht immer an sich glauben. Manchmal reicht es, ein Ziel zu haben, sich darauf vorzubereiten und Schritt für Schritt weiterzumachen.

Denn eines kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Die 42,195 Kilometer sind eine echte Herausforderung. Aber das Gefühl, es geschafft zu haben, ist jede einzelne davon wert.

Vielleicht sehen wir uns ja an der Startlinie!

Da stehe ich weiß auf blau, in zwei Tagen geht es los.

Auf dem Weg zum ersten Marathon

Im Team MöWathlon macht alles mehr Spaß 😉

Geschafft, der Lohn der Mühen für eine lange Vorbereitungszeit

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