Im beschaulichen Rottweil steht ein Bauwerk, das man schon von weitem kaum übersehen kann: der 232 Meter hohe Versuchsturm von Thyssenkrupp Elevator (TKE).
Hier werden modernste Aufzugstechnologien unter realen Bedingungen getestet, bevor sie irgendwann in Aufzügen auf der ganzen Welt zum Einsatz kommen. Im Rahmen meiner Zusammenarbeit mit TKE hatte ich bereits einmal die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
Und glaubt mir: Ein Blick aus rund 200 Metern Höhe in einen 10 x 10 Meter großen Aufzugsschacht ist schon etwas ganz Besonderes. Da wird selbst einem schwindelfreien Menschen kurz anders.
Und wer dort oben sein Handy fallen lässt, kann sich den Weg nach unten sparen. Das Smartphone kommt garantiert nicht mehr heil an.
Doch einmal im Jahr geht es im TKE-Tower nicht nur um Aufzüge, sondern um die eigenen Beine.
Dann heißt es: TKE Towerrun!
1.390 Stufen bis ganz nach oben
232 Meter Höhe.
Und dazwischen jede Menge Zeit, um sich zu fragen, warum man sich das eigentlich antut.
Der Start befindet sich vor dem Turm. Rund 100 Meter geht es zunächst im Laufschritt bis zum Eingang. Und dann beginnt der eigentliche Kampf.
Treppensteigen. Nach oben. Immer weiter.
Viele Teilnehmer nehmen gleich zwei Stufen auf einmal und schaffen den Aufstieg in weniger als zehn Minuten.
Bei mir sieht die Sache inzwischen etwas anders aus. Zwei Stufen auf einmal? Das überlasse ich gerne den jüngeren und schnelleren Kollegen. Ich nehme jede Stufe einzeln und versuche, mein Tempo möglichst konstant zu halten.
Kurz vor dem Start noch ein Gel – und dann geht es los.
Das Treppenhaus selbst ist nicht gerade eine Wellnessoase. Es wurde schließlich nie für einen Towerrun gebaut. Fenster gibt es keine, die Luft ist trocken und teilweise etwas staubig.
Dafür stehen alle paar Stockwerke Helfer bereit. Sie sind im Notfall zur Stelle und man kann dort auch kurz verschnaufen.
Wobei ich von dieser Möglichkeit bisher noch keinen Gebrauch gemacht habe.
Denn genau hier beginnt mein persönlicher Gegner:
Der innere Schweinehund.
„Komm, wir machen eine Pause …“
Irgendwann während des Aufstiegs meldet er sich zuverlässig.
„Komm, wir machen eine Pause.“
Ein paar Stufen später:
„Nur ganz kurz.“
Und irgendwann versucht er es mit:
„Du hast doch jetzt wirklich genug gemacht.“
Aber bisher habe ich ihm jedes Mal die Antwort gegeben, die er nicht hören wollte:
Es geht weiter!
Meine Strategie funktioniert für mich hervorragend. Ich gehe mein eigenes Tempo, bleibe möglichst gleichmäßig und versuche, mich nicht von anderen Teilnehmern beeinflussen zu lassen.
Stufe für Stufe.
Stockwerk für Stockwerk.
Und irgendwann kommt dieser Moment:
Die letzte Stufe ist geschafft!
Was für ein Gefühl den Turm bezwungen zu haben.
Meine Zeit für 1.390 Stufen? 16 Minuten. Yes, ich bin begeistert und verdammt Stolz.
Oben gibt es zunächst einmal Wasser.
Und dann?
Eine Aussicht, die für die Anstrengung mehr als entschädigt.
Wer einmal 232 Meter über Rottweil steht und den Blick über die Landschaft schweifen lässt, vergisst für einen Moment die brennenden Beine.
Danach geht es mit dem Aufzug wieder nach unten – und auch das ist beim TKE-Towerrun irgendwie Teil des Erlebnisses.
Besonders leid tat mir dabei die junge Dame, die den Aufzug den ganzen Tag betreuen musste.
Denn ihre Fahrgäste hatten an diesem Tag eine ganz besondere Gemeinsamkeit:
Sie waren verschwitzt, außer Atem und teilweise ziemlich müffelig.
Mein Mitleid war ihr sicher.
34 Nationen – ein Ziel
Was mich am TKE-Towerrun immer wieder begeistert, ist die internationale Atmosphäre.
Sportlerinnen und Sportler aus 34 Nationen gehen an den Start und dabei sind nicht nur klassische Treppenläufer vertreten.
Eine ganz besondere Herausforderung nehmen beispielsweise Feuerwehrleute auf sich: Sie absolvieren den Aufstieg unter vollem Atemschutz.
Dieses Jahr konnte ich außerdem zum ersten Mal Einsatzkräfte der Polizei beim Towerrun beobachten. Mit Weste, Helm, Schutzschild, Ramme und kompletter Ausrüstung ging es ebenfalls die 1.390 Stufen nach oben.
Wenn man schon beim Anblick der Treppen müde wird, kann man sich ungefähr vorstellen, was diese Teilnehmer leisten.
Eine Medaille, etwas Verpflegung – und jede Menge Stolz
Wieder unten angekommen, gibt es endlich das, worauf man sich nach so einem Aufstieg freut:
Getränke, Verpflegung und die verdiente Medaille. Und natürlich die Erkenntnis: Ich habe es wieder geschafft.
Für mich war der TKE-Towerrun 2026 der erste Lauf im TKE-Tower. Und eines steht bereits fest:
Ich komme wieder.
Der Messeturm und der TKE-Tower gehören für mich mittlerweile einfach dazu. Beide Veranstaltungen machen mir unglaublich viel Spaß – auch wenn ich während des Aufstiegs gelegentlich eine etwas andere Meinung dazu habe.
Und vielleicht bekomme ich im nächsten Jahr noch mehr Lust auf neue Herausforderungen.
Mein Blick geht deshalb bereits über die deutschen Grenzen hinaus. Polen und einige Länder in Südeuropa stehen auf meiner Liste.
Denn wer einmal einen Towerrun erlebt hat, weiß: Es geht nicht nur darum, möglichst schnell oben anzukommen. Es geht darum, die eigenen Grenzen zu verschieben.
Den inneren Schweinehund zu besiegen. Stufe für Stufe.
Und am Ende oben zu stehen und sagen zu können:
Ich habe es geschafft.
Also – wer ist beim nächsten Mal dabei?
Vielleicht sehen wir uns ja bei der nächsten Treppe. 🏃♂️💪
